Die Kraft des Mondes

Der Himmelskörper übt eine grosse Faszination auf uns aus. Nachweislich bewirkt er die Gezeiten und andere Phänomene in der Natur. Beeinflusst er auch uns Menschen? In gewissem Sinne schon …

Mythen und Magie, Anbetung und Ehrfurcht, Fantasie und Inspiration: Das kennzeichnete die menschliche Sicht auf den Mond bis ins letzte Jahrhundert. Entzaubert wurde unser Erdtrabant mit der ersten bemannten Mondlandung 1969. Und die Astrowissenschaft tat das Ihre dazu. Vor rund 4,5 Milliarden Jahren durch die Kollision eines grossen Asteroiden mit der jungen Erde entstanden, begleitet der Himmelskörper seither unseren Planeten bei dessen Umlaufbahn um die Sonne. Dabei rotiert der Mond um seine eigene Achse und umrundet die Erde auf einer elliptischen Bahn, je nach Definition in 27 bis 29 Tagen – also einem „Monat“. Das beobachteten schon die Sumerer und Babylonier. Sie erstellten die ersten Mondkalender, um den Verlauf der Jahreszeiten abzuschätzen und den richtigen Zeitpunkt ür Aussaat und Ernte zu bestimmen. Die heute boomenden Mondkalender dagegen beruhen auf dem 1582 etablierten gregorianischen (Sonnen-)Kalender, in dem zusätzlich die Mondphasen angegeben sind. Der Zweck auch hier: den richtigen Zeitpunkt zu finden. Nicht mehr vorrangig für den Ackerbau, sondern eher fürs Hobbygärtnern, Wäschewaschen und Putzen, für Friseur- und Operationstermine, für Wellness und Beauty. Denn laut den Mond-Bestsellerautoren Johanna Paungger und Thomas Poppe übt jede der vier Mondphasen eine bestimmte Kraft auf alle Lebewesen aus. Ihre Botschaft: Wer seinen Alltag nach dem Mond ausrichtet, lebt im Einklang mit der Natur und somit besser und gesünder.

Neumond

Bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne. Von der Erde aus ist er in dieser Phase jedoch nicht zu sehen, denn wir schauen auf seine dunkle Seite. In Kalendern ist Neumond als schwarze Scheibe eingezeichnet. Die Mondregel lautet: Wer vor und an Neumond Obsttage einlegt oder fastet, beugt vielen Krankheiten vor, weil die Entgiftungsbereitschaft des Körpers am höchsten ist. Ein guter Zeitpunkt, um schlechte Gewohnheiten über Bord zu werfen und Neues zu beginnen. Ideal für alles, was dem Reinigen und Ausschwemmen dient.

„Der Mond übt eine starke Anziehungskraft aus. In gewissem Sinne auch auf uns.“

Artemis ist die
griechische Göttin
der Jagd, des Waldes,
der Geburt – und
des Mondes.

Und Name der aktuellen NASAMondmission.

Zunehmender Mond

Wenige Stunden nach Neumond wandert der Erdschatten weiter, der Mond kommt wieder zum Vorschein, anfangs als feine Sichel. Ungefähr zwei Wochen lang wird er kontinuierlich voller und auch unsere Speicher füllen sich während dieser Zeit besser auf – mit guten wie mit schlechten Stoffen. Alles, was den Körper aufbaut und
stärkt – ob Fitnesstraining oder Medizin –, wirkt doppelt gut. Das „tägliche Brot“ dagegen verwandelt sich leichter in Übergewicht. Ideale Zeit für Wellnessbehandlungen.

Vollmond

Der Mond wird vollständig von der Sonne beschienen und zeigt sich als grosse, helle Scheibe am Nachthimmel, die so auch in den Kalendern eingezeichnet ist. Manche Menschen leiden unter Schlafproblemen. An diesem Tag gesammelte Heilkräuter entfalten grössere Kräfte. Idealer Fastentag, weil der Körper mehr Fett ansetzt als sonst. Auch Wunden bluten stärker.

Johanna Paungger: „Die Kräfte des Mondes sind jederzeit durch Erfahrung beweisbar.“

Abnehmender Mond

In der zweiwöchigen Phase nach dem Vollmond erscheint das Leben weniger anstrengend. Angestautes kommt wieder in Fluss und der abnehmende Mond unterstützt den Körper beim Entschlacken. Der Organismus läuft auf Hochtouren, wir fühlen uns fitter und kreativer. Hausarbeiten gehen leichter von der Hand. Selbst wer jetzt mehr isst, nimmt nicht so schnell zu. Gesichtspackungen zur intensiven Hautreinigung wirken besser. Viele Arbeiten in Garten und Natur sind jetzt ebenso begünstigt wie chirurgische Eingriffe – Letztere sollten möglichst nur bei abnehmendem Mond vorgenommen werden, das verkürzt die Heilungsphase und verhindert unschöne Narbenbildung.

Die Sache mit den Sternzeichen

Laut Paungger und Poppe sind auch die 12 Tierkreiszeichen in den Mondphasen entscheidend. Ihre Erkenntnis: Der jeweilige Mondstand in unseren Tierkreiszeichen übt spezifische Einflüsse auf Körper- und Organbereiche aus. Denn jedes Tierkreiszeichen „regiert“ bestimmte Körperteile, z.  B. Widder: Kopf, Gehirn, Augen, Nase. Oder Steinbock: Knie, Knochen, Gelenke, Haut. Nicht zu vergessen die Elemente, die den Tierkreiszeichen zugordnet sind: Feuer, Wasser, Luft und Erde. So kombiniert das Autorenduo in seinen Mondkalendern und den dazugehörigen Ratgebern die Mondphasen mit diesen astrologischen Zusatzinformationen.

„Der Mond wird erfolgreich als Leben im Einklang mit der Natur vermarktet.“

Glauben ist alles

Seit den 1990er-Jahren, als Paungger und Poppe ihren ersten Mondratgeber „Vom richtigen Zeitpunkt“ veröffentlichten, ist die Schar derjenigen, die ihr Leben nach dem Mond ausrichten, stark gewachsen. Ihre Bücher wurden mehr als 14 Millionen Mal verkauft und in 24 Sprachen übersetzt. Inzwischen gibt es Naturkosmetik, Tees, Heilkräuter oder Mineralwasser zu kaufen, die alle gemäss den Mondrhythmen hergestellt wurden. So mancher Wissenschaftler möchte da den Mond anheulen, denn anscheinend lassen sich die Mondgläubigen nicht davon beeindrucken, dass sämtliche Mondmythen widerlegt wurden. Das forstwissenschaftliche Institut der TU Dresden hat etwa „Mondholz“ untersucht und keine besonderen Eigenschaften gefunden. Die Analyse von 167’000 Geburten in Arizona und von 40’000 Geburtsdaten in Deutschland ergab keinen Zusammenhang mit den Mondphasen. Auch bei 228 Knie- und Hüftoperationen konnten der Linzer Chirurg Michael Schardtmüller und der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder keinen lunaren Einfluss feststellen. Es stimmt, dass manche Tiere ihr Verhalten nach dem Mond ausrichten, etwa Korallen, die zeitgleich ihre Eier bei Vollmond ins Meer entlassen. Doch das hat mit dem vermehrten Mondlicht zu tun. Auf den Menschen hat das keinen Einfluss, denn um den Haushalt des Schlafhormons Melatonin durcheinanderzubringen, wäre die 900-fache Leuchtkraft des Vollmonds nötig. Dass dennoch so viele überzeugt sind, bei Vollmond schlecht zu schlafen, hat vor allem psychologische Gründe, denn fallen Vollmond und eine durchwachte Nacht zufällig zusammen, bleibt das im Gedächtnis. Ein klassischer Fall von selektiver Wahrnehmung, so Edgar Wunder. Und was ist mit der Anziehungskraft des Mondes auf die Ozeane, mit Ebbe und Flut? Dabei wirken nur winzige Kräfte pro Wassertropfen. Der Effekt fällt nur so gross aus, weil sich das Wasser in den riesigen Meeren weit verteilen kann, so ein Forscher vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Fazit: Man kann an den Mond glauben, muss es aber nicht …

1Erhältlich in Coop City
2Erhältlich in ausgewählten Coop City
3Erhältlich in ausgewählten Coop Supermärkten und Coop City
4Erhältlich in Coop Megastores und Coop City